Paarung und Inkubation


Paarung sowie Inkubation und Meldepflicht

1. Paarung:
Kurz nach der Winterruhe beginnt sich das Männchen, meist sehr aufdringlich für die Weibchen zu interessieren. Er verfolgt und umkreist die Weibchen, beißt nicht gerade zärtlich in die Vorderbeine. Wenn es ihm gelingt, sie zum Stehen bleiben zu bringen, so besteigt er sie von hinten. Der nach innen gewölbte Bauchpanzer gibt ihm dabei einen recht guten halt. Das Männchen führt sogleich Kopulationsbewegungen aus. Dabei reißt er das Maul weit auf und man hört pfeifende, quiekende Laute.
Eine Kopulation gelingt erst, wenn auch das Weibchen dazu bereit ist.
Das Weibchen kann die Samenzellen im Spätsommer oder im Herbst speichern und so ein erstes befruchtetes Gelege im Früjahr ablegen. Ohne Kontakt mit einem Männchen legen sogar einige Weibchen ein nochmals befruchtetes Gelege ab. Danach würde die Befruchtung immer weniger werden, wenn kein Kontakt mehr mit einem Männchen stattfinden würde.

 

2. Eiablage:
Ungefähr fünf, sechs Wochen später wird das Weibchen unruhig, es läuft im Gehege auf und ab. Das kann man meist an warmen Tagen im Mai und im Juni beobachten. Oft reiten Weibchen anderen Weibchen auf, was soviel heisst wie: „kommt mir ja nicht zu Nahe“. In meinem Gehege finden die Weibchen mehrere Eiablageplätze. Jedoch ist ein Legehügel bei der Griechischen Landschildkröte nicht unbedingt notwendig, da die Schildis in der Natur ihre Eier vorwiegend in Senken ablegen, jedoch wird ein Eiablagehügel auch gern von den Tieren angenommen. Nach einigen Probegrabungen gräbt schließlich das Weibchen, oft nach einem warmen Regen, mit den Hinterbeinen unglaublich geschickt eine ca. 15 cm tiefe Grube aus. Die Eier werden dann in dieses Loch gelegt. Das Muttertier befühlt jedes einzelne Ei zärtlich mit den Hinterfüßen und bringt es in genau die richtige Position.
Nun wird die Grube wieder so sorgfältig verschlossen, dass kaum ein menschliches Wesen dieses Nest von außen erkennen kann.

 

3. Bergung der Eier und Überführung in den Inkubator:
 
Nun ist es Zeit, die Eier sehr vorsichtig auszugraben und in den Brutapparat zu überführen.

 


Zur Bergung werden folgende Utensilien benötigt:

Pinsel ,weicher Bleistift

Hat man die Eiablagestelle des Weibchens gefunden oder war man sogar bei der Eiablage dabei, sollte man dem Tier unbedingt das Verschließen der Grube ermöglichen und erst nachdem es die Stelle verlassen hat, vorsichtig die Erde entfernen und dann mit einem weichen Pinsel die Eier freilegen, um eine Zerstörung dieser zu vermeiden.

Am besten man markiert die Eier noch in der freigelegten Grube mit einem weichen Bleistift am obersten Punkt des Eies. Achtung, die Eier dürfen nur unmittelbar nach der Eiablage oder die ersten Tage noch in ihrer Lage verändert werden. Findet man die Eier erst später, dürfen diese keineswegs in der Lage verändert (gedreht oder gewendet) werden, da sonst der Dottersack über die Keimscheibe rutschen kann und dies zum sicheren Absterben des Embryos führt!
Der Zeitraum bis sich der Keimling bildet dauert etwa eine Woche. Davor ist ein Drehen problemlos, danach kann sich nicht nur ein Drehen, sondern jede Erschütterung negativ auf die Entwicklung auswirken.
Ein Drehen kann zur Folge haben dass der Dottersack über dieKeimscheibe verrutscht und der Embryo abstirbt.
Die Eier werden dann nach und nach in den bereits vorgeheizten Inkubator gelegt. Natürlich kann man die Eier zum Bergen auch erstmal in einen mit Sand gefüllten Behälter legen und Sie dann in den Inkubator umsetzen und richtig platzieren.

 

 

4. Inkubation
Wir benutzen den Reptilieninkubator 
Jäger Kunstglucke FB 50-E

Empfehlenswertes Brutzubehör:

 

 

5. Allgemeines:

 


 
Anbei Bild vom Schlupfvorgang.

6. Melde- und Kennzeichnungspflicht:
Alle europäischen Landschildkröten (außer Agrionemys spec.) fallen unter das Washingtoner Artenschutzabkommen, Anhang A und gehören damit zu den stark gefährdeten bzw. vom Aussterben bedrohten Tierarten.
Es besteht daher für alles Testudo-Arten eine Meldepflicht. Erlaubt ist ausschließlich der Verkauf von Tieren, die vor 1987 bereits im Land waren und der von Nachzuchten in Gefangenschaft.
Jedes gehaltene Tier muß der zuständigen Behörde gemeldet werden (in SH: Landesamt für Natur und Umwelt). Ebenso muß jede Nachzucht aber auch jede Abgabe oder der Tod von Tieren gemeldet werden.
In der Regel wird für Nachzuchten eine einmalige Vermarktungserlaubnis erteilt, ein eventueller späterer Weiterverkauf muß normalerweise neu beantragt werden.
Für den Verkauf erhält der Züchter seit 1998 die gelbe EU-Bescheinigung.

Seit Einführung der Fotodokumentation wird von einigen Bundesländern auch eine generelle Vermarktungsgenehmigung erteilt, allerdings ist darauf zu achten, dass eine aktuelle Fotodokumentation des Tieres anhängig ist. Ist das Tier gechipt (was aus meiner Sicht abzulehnen ist), benötigt man keine Fotodokumentation und erhält i.d.R eine generelle Vermarktungsgenehmigung. Die Chipnummer muss dann auf der EU-Bescheinigung vermerkt sein.

Anbei Beispiel der gelben EU-Bescheinigung.


 


Fotodokumentation

Seit 01.01.2001 muß zu den bereits notwendigen Papieren zu jedem Tier, egal ob es "nur" gehalten oder weiterverkauft werden soll, eine Fotodokumentation angefertigt werden.
Diese besteht aus je einem Foto des Bauch- und des Rückenspanzers. Dabei müssen insbesondere das Nackenschild auf dem Rückenpanzer und die Schildernähte auf dem Bauchpanzer scharf zu erkennen sein. Das Tier sollte einen möglichst großen Teil das Fotos ausfüllen. Insbesondere bei Schlüpflingen setzt dies in der Regel eine Kamera mit Makro voraus. Die Tiere werden auf einem Karoraster mit je einem Zentimeter Abstand fotografiert (siehe Bildbeispiel).
Je nach Bundesland muß die Fotodokumenation in regelmäßigen Abständen erneuert werden, bei Jungtieren meist 1x jährlich bei adulten Tieren alle 5 Jahre.
Der Halter ist verpflichtet, diese Dokumentation zu pflegen und auf Verlangen vorlegen zu können. Im Zuge des noch laufenden Fotoprojekts von Frau Dr. Carolin Bender könnten sich die oben genannten Zeiten auch noch ändern. Einzelheiten erfragen Sie bitte bei Ihrer zuständigen Behörde, da die Anforderungen unterschiedlich sein können.


               

Carapax- und Plastronansicht eines Schlüpflings, fotografiert auf kariertem Zentimeterpapier

Für die Papiere für eigene Nachzuchten wird eine Erstellungs- und Bearbeitungsgebühr erhoben. Leider sind die Regelungen von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich, das trifft auch auf die Gebührensätze zu. Im Saarland liegen die Gebühren bei 10,20 Euro pro Bescheinigung.
Hier kann man die Tiere im Saarland anmelden.http://www.sr-online.de/landleute/48/759682.html
Allerdings wird das Papier für die Nachzuchten nur für einen Weiterverkauf benötigt, behält man die Tiere selbst, genügt eine Anmeldung. Beim Erwerb eines Tieres muss man auf jeden Fall eine der Bescheinigungen zu dem Tier erhalten. Auch sollte man kontrollieren, ob die auf der Bescheinigung gemachten Angaben zu dem Tier passen: Stimmen angegebenes Alter, Fotos und die vermerkte Art mit dem Tier überein?
 

Tiere ohne Papiere

Ab und zu kommt man an Tiere, die aus Unwissenheit der Vorbesitzer weder gemeldet sind, noch irgendwelche Papiere haben. Oft sind diese Tiere aber schon jahrzehntelang in Deutschland. Oft genügt eine schriftliche Bestätigung der Vorbesitzer, daß das Tier seit 19XX in seinem Besitz war, wenn das Tier vor 1987 bereits in Deutschland war. Die Tiere werden dann gemeldet und dürfen dann nicht weiterverkauft werden. Sie erhalten in der Regel auch keine Papiere.
Da auch hierbei leider keine bundesweit einheitlichen Regelungen angewandt werden, sollte man sich in jedem Fall vorher an die zuständige Behörde wenden, dies gilt insbesondere auch für gefundene Tiere.

Kennzeichnung

Ab dem 01.01.2001 sollte ursprünglich laut einer EU-Verordnung jedes Tier der Testudo-Arten, das über 500 Gramm wiegt, mit einem Chip (Transponder) als Kennzeichnung ausgestattet werden.
Diese Art der Kennzeichnung wird in ähnlicher Form bereits bei Säugetieren und Vögeln angewandt, allerdings sind die Voraussetzungen bei Warmblütern anders als bei wechselwarmen Reptilien, es liegen nur begrenzte Erfahrungswerte vor und das Chippen von Schildkröten ist schon aufgrund ihrer z.T. geringen Größe abzulehnen.
Dieses Thema ist, dank des Widerstandes vieler Halter und Verbände und der Studie von Frau Dr. Bender zur Individualerkennung bei Reptilien, vom Tisch.
Als Alternative ist nun eine Fotodokumentation EU-weit geplant. Die gesetzliche Umsetzung steht zwar meines Wissens nach wie vor aus, es scheint daran allerdings keine Zweifel mehr zu geben, zumal die Fotodokumentation seid 2 Jahren fast überall in Deutschland gängige Praxis ist. Danach werden nun von allen Tieren, auch allen Jungtieren, je 2 Fotos angefertigt, eins vom Carapax und eins vom Plastron. Diese müssen in regelmäßigen Abständen erneuert werden, bei Jungtieren öfter, da sich dort auch noch mehr in punkto Färbung etc. ändert. Momentan sind zumindest in SH die Abstände zwischen den Fototerminen noch unklar. Die Fotos sind ebenfalls Voraussetzung für die Erteilung von Vermarktungsgenehmigungen zum Verkauf von Nachzuchten und werden an die jeweilige EU-Bescheinigung geheftet.
 

Fotodokumentation

Hier das Format für die Fotounterlage das bei vielen Behörden Vorschrift ist.

 

Karo.pdf    3.3 K

 

Achtung: Bei der naturnahen Brutmethode verwendet man einen Thermometer mit Aussenfühler und steckt den Fühler in den Boden in die Mitte des Substrates und unmittelbar neben die Eier. Nur so kann die genaue Bruttemperatur ermittelt werden.
Bei der offnen Inkbation muss man den Fühler nur neben die Eier legen.
Achtung:
In der Mitte des Inkubators ist es gegenüber den Eiern am Rand immer am wärmsten. Dies kann gut 2 Grad an Bodentemperatur ausmachen.
 
Landschildkröten Eier dürfen nach dem ausgraben nur unmittelbar oder nur die allerersten Tage noch in Ihrer Lage verändert werden. Danach werden Sie in den Inkubator überführt.
33°C bis max. 34°C ohne Nachtabsenkung  (Luftfeuchte 70-85%).
Eine Temperatur von 35°C darf jedoch nicht überschritten werden.
Da das Geschlecht sowieso in den ersten 25 Tagen geprägt wird, kann man danach eine Nachtabsenkung auf 25°C vornehmen. Das wäre Artgerecht, weil es in der Natur auch so ähnlich ist.
Der Scheitelpunkt der östlichen Landschildkröten, Testudo Hermanni Boettgeri liegt bei 31,5 Grad und bei westlichen Landschildkröten Testudo Hermanni Hermanni bei 32,5 Grad.
Zur Erklärung: Scheitelpunkt ist der Punkt, wo das Geschlechterverhältnis ausgeglichen ist.
Bei der von uns genannten Inkubationstemperatur schlüpfen fast ausschließlich weibliche Landschildkröten!
Wir haben den Inkubator wie folgt eingestellt:

Brutthermometer, 0,2°C-Teilung, 22-34°C, Reptilien

Brutthermometer, 0,2°C-Teilung, 22-34°C, Reptilien

Feuchtbrut-Set FB 50, alle Typen

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Vermiculite

Vermiculite, 1 Liter
Vermiculite,ist ein feuchtigkeitsspeicherndes Granulat, besonders geeignet für die Reptilienbrut.

Haar-Hygrometer

Haar-Hygrometer
Metallgehäuse, 85 mm Durchmesser, sehr genau, Meßbereich
10-100% rel. Luftfeuchtigkeit
 
Wir zeitigen bei einer Luftfeuchtigkeit von etwa 70% bis 85% und einer Temperatur von 33°C. bis max. 34°C. 
Da das Geschlecht sowieso in den ersten 25 Tagen geprägt ist, arbeiten wir danach mit einer Nachtabsenkung. Dies ist Naturnaher. Wir entnehmen die Heimchendosen aus dem einen Inkubator und geben Sie in den anderen Inkubator, der mit Nachtabsenkung programmiert ist.
Bei dieser Temperatur schlüpfen überwiegend weibliche Tiere
Methode 1: Entweder man gräbt die Eier ganz  in das Brutsubstrat ein, wie bei der naturnahen Brutmethode. Dann braucht man nur darauf zu achten, dass das Substrat leicht feucht ist. Die Luftfeuchtigkeit ist dann völlig wurst.
Methode 2: Die Eier werden entnommen und in das wenige Zentimeter hohe Brutsubstrat gelegt, indem man mit dem Finger eine kleine Furche in das Substrat macht, damit das Ei stabil liegt.
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Zu geringe Luftfeuchtigkeit oder zu trockenes Brutsubstrat führt zum Absterben des Embryos. Kondenswasser (welches Keime beinhaltet ,weil es abgestandenes Wasser ist), welches auf die Eier herabtropfen könnte ist zu vermeiden, weil es dadurch zur Schimmelbildung kommen könnte und dies zum Absterben des Embryos führt.

Da das Geschlecht sowieso in den ersten 25 Tagen geprägt wird, kann man danach eine Nachtabsenkung auf 25°C vornehmen. Das wäre Artgerecht, weil es in der Natur auch so ähnlich ist:

Es kann aber auch die offene Inkubation gewählt werden, wobei hier der Behälter nicht abgedeckt wird. Ein guter Luftaustausch ist stets zu gewährleisten.

Nach ca. 60 Tagen bei einer Bruttemperatur von ca. 33 Grad schlüpfen die Jungtiere.
Mit dem Eizahn bricht der Schlüpfling die recht harte Schale auf. Es dauert dann manchmal  noch drei Tage, bis sich das Kleine herausgeschält hat.

Bei der offenen Inkubation werden die Schlüpflinge noch 24 Stunden im Inkubator belassen.

Man setzt Sie in ein Schälchen mit einem, in Wasser getränkten Tuch. Es müssen sich kleine Pfützen bilden.

Wenn sich eine Kruste an der Bauchfalte gebildet hat, setzt man Sie in das Schildkröten Freigehege.

Bei der naturnahen Brutmethode, können die Tiere sofort in das Schildkröten Freigehege gesetzt werden, sobald diese sich nach oben gegraben haben.

Die frisch geschlüpften Tiere bringen ein Gewicht zwischen 7 und 14 g auf die Waage. Es wurden aber auch schon von wesendlich schwereren Tieren berichtet.
Die Schlüpflinge  sind, so winzig sie auch sind vollkommen lebensfähig und selbständig.

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